8.7. Scanner

Beigetragen von Marc Fonvieille.

8.7.1. Einführung

Unter FreeBSD stellt SANE (Scanner Access Now Easy) aus der Ports-Sammlung eine einheitliche Schnittstelle (API) für den Zugriff auf Scanner bereit. SANE wiederum greift auf Scanner mithilfe einiger FreeBSD-Treiber zu.

FreeBSD unterstützt sowohl SCSI- als auch USB-Scanner. Prüfen Sie vor der Konfiguration mithilfe der Liste der unterstützten Geräte ob Ihr Scanner von SANE unterstützt wird. Bei Systemen vor FreeBSD 8.X zählt die Hilfeseite uscanner(4) ebenfalls die unterstützten USB-Scanner auf.

8.7.2. Den Kernel für Scanner einrichten

Da sowohl SCSI- als auch USB-Scanner unterstützt werden, werden abhängig von der Schnittstelle unterschiedliche Treiber benötigt.

8.7.2.1. USB-Scanner

Im GENERIC-Kernel sind schon alle, für einen USB-Scanner notwendigen, Treiber enthalten. Wenn Sie einen angepassten Kernel benutzen, prüfen Sie, dass die Kernelkonfiguration die nachstehenden Zeilen enthält:

device usb
device uhci
device ohci
device ehci

Bei Systemen vor FreeBSD 8.X wird ausserdem noch die folgende Zeile benötigt:

device uscanner

Bei diesen FreeBSD-Versionen liefert das uscanner(4)-Gerät die Unterstützung für USB-Scanner. Seit FreeBSD 8.0 ist diese Unterstützung direkt in der libusb(3)-Bibliothek enthalten.

Nachdem Sie das System mit dem richtigen Kernel neu gestartet haben, stecken Sie den USB-Scanner ein. Danach sollte in den Systemmeldungen (die Sie mit dmesg(8) betrachten können) eine Zeile ähnlich der folgenden erscheinen:

ugen0.2: <EPSON> at usbus0

bzw. auf einem FreeBSD 7.X System:

uscanner0: EPSON EPSON Scanner, rev 1.10/3.02, addr 2

Diese Meldung besagt, dass der Scanner entweder die Gerätedatei /dev/ugen0.2 oder /dev/uscanner0 benutzt, je nachdem, welche FreeBSD-Version eingesetzt wird. In diesem Beispiel wurde ein EPSON Perfection® 1650 USB-Scanner verwendet.

8.7.2.2. SCSI-Scanner

Wenn Ihr Scanner eine SCSI-Schnittstelle besitzt, ist die Kernelkonfiguration abhängig vom verwendeten SCSI-Controller. Der GENERIC-Kernel unterstützt die gebräuchlichen SCSI-Controller. Den richtigen Treiber finden Sie in der Datei NOTES. Neben dem Treiber muss Ihre Kernelkonfiguration noch die nachstehenden Zeilen enthalten:

device scbus
device pass

Nachdem Sie einen Kernel gebaut und installiert haben, sollte der Scanner beim Neustart in den Systemmeldungen erscheinen:

pass2 at aic0 bus 0 target 2 lun 0
pass2: <AGFA SNAPSCAN 600 1.10> Fixed Scanner SCSI-2 device
pass2: 3.300MB/s transfers

Wenn der Scanner während des Systemstarts ausgeschaltet war, können Sie die Geräteerkennung erzwingen, indem Sie den SCSI-Bus erneut absuchen. Verwenden Sie dazu das Kommando camcontrol(8):

# camcontrol rescan all
Re-scan of bus 0 was successful
Re-scan of bus 1 was successful
Re-scan of bus 2 was successful
Re-scan of bus 3 was successful

Der Scanner wird anschließend in der SCSI-Geräteliste angezeigt:

# camcontrol devlist
<IBM DDRS-34560 S97B>              at scbus0 target 5 lun 0 (pass0,da0)
<IBM DDRS-34560 S97B>              at scbus0 target 6 lun 0 (pass1,da1)
<AGFA SNAPSCAN 600 1.10>           at scbus1 target 2 lun 0 (pass3)
<PHILIPS CDD3610 CD-R/RW 1.00>     at scbus2 target 0 lun 0 (pass2,cd0)

Weiteres über SCSI-Geräte lesen Sie bitte in den Hilfeseiten scsi(4) und camcontrol(8) nach.

8.7.3. SANE konfigurieren

SANE besteht aus zwei Teilen, den Backends (graphics/sane-backends) und den Frontends (graphics/sane-frontends). Das Backend greift auf den Scanner zu. Welches Backend welchen Scanner unterstützt, entnehmen Sie der Liste der unterstützten Geräte. Der Betrieb eines Scanners ist nur mit dem richtigen Backend möglich. Die Frontends sind die Anwendungen, mit denen gescannt wird (xscanimage).

Installieren Sie zuerst den Port oder das Paket graphics/sane-backends. Anschließend können Sie mit dem Befehl sane-find-scanner prüfen, ob SANE Ihren Scanner erkennt:

# sane-find-scanner -q
found SCSI scanner "AGFA SNAPSCAN 600 1.10" at /dev/pass3

Die Ausgabe zeigt die Schnittstelle und die verwendete Gerätedatei des Scanners. Der Hersteller und das Modell können in der Ausgabe fehlen.

Anmerkung:

Bei einigen USB-Scannern müssen Sie die Firmware aktualisieren, dies wird in der Hilfeseite des Backends erklärt. Lesen Sie bitte auch die Hilfeseiten sane-find-scanner(1) und sane(7).

Als nächstes müssen Sie prüfen, ob der Scanner vom Frontend erkannt wird. Die SANE-Backends werden mit dem Kommandozeilenwerkzeug scanimage(1) geliefert. Mit diesem Werkzeug können Sie sich Scanner anzeigen lassen und den Scan-Prozess von der Kommandozeile starten. Die Option -L zeigt die Scanner an:

# scanimage -L
device `snapscan:/dev/pass3' is a AGFA SNAPSCAN 600 flatbed scanner

Oder, für das Beispiel mit dem USB-Scanner in Abschnitt 8.7.2.1, „USB-Scanner“:

# scanimage -L
device 'epson2:libusb:/dev/usb:/dev/ugen0.2' is a Epson GT-8200 flatbed scanner

Diese Ausgabe stammt von einem FreeBSD 8.X System, die Zeile 'epson2:libusb:/dev/usb:/dev/ugen0.2' nennt das Backend (epson2) und die Gerätedatei (/dev/ugen0.2), die der Scanner verwendet.

Anmerkung:

Erscheint die Meldung, dass kein Scanner gefunden wurde oder wird gar keine Ausgabe erzeugt, konnte scanimage(1) keinen Scanner erkennen. In diesem Fall müssen Sie in der Konfigurationsdatei des Backends das zu benutzende Gerät eintragen. Die Konfigurationsdateien der Backends befinden sich im Verzeichnis /usr/local/etc/sane.d/. Erkennungsprobleme treten bei bestimmten USB-Scannern auf.

Mit dem USB-Scanner aus Abschnitt 8.7.2.1, „USB-Scanner“ zeigt sane-find-scanner unter FreeBSD 8.X die folgende Ausgabe:

# sane-find-scanner -q
found USB scanner (UNKNOWN vendor and product) at device /dev/uscanner0

Der Scanner wurde richtig erkennt, er benutzt eine USB-Schnittstelle und verwendet die Gerätedatei /dev/uscanner0. Ob der Scanner vom Frontend erkannt wird, zeigt das nachstehende Kommando:

# scanimage -L

No scanners were identified. If you were expecting something different,
check that the scanner is plugged in, turned on and detected by the
sane-find-scanner tool (if appropriate). Please read the documentation
which came with this software (README, FAQ, manpages).

Da der Scanner nicht erkannt wurde, muss die Datei /usr/local/etc/sane.d/epson2.conf editiert werden. Der verwendete Scanner war ein EPSON Perfection® 1650, daher wird das epson2-Backend benutzt. Lesen Sie bitte alle Kommentare in der Konfigurationsdatei des Backends. Die durchzuführenden Änderungen sind einfach. Kommentieren Sie zunächst alle Zeilen mit der falschen Schnittstelle aus. Da der Scanner eine USB-Schnittstelle besitzt, wurden im Beispiel alle Zeilen, die mit scsi anfingen, auskommentiert. Fügen Sie dann die Schnittstelle und den Gerätenamen am Ende der Datei ein. In diesem Beispiel wurde die nachstehende Zeile eingefügt:

usb /dev/uscanner0

Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte der Hilfeseite des Backends. Jetzt können Sie prüfen, ob der Scanner richtig erkannt wird:

# scanimage -L
device `epson:/dev/uscanner0' is a Epson GT-8200 flatbed scanner

Der Scanner wurde nun erkannt. Es ist nicht wichtig, ob der Hersteller oder das Modell Ihres Scanners korrekt angezeigt werden. Wichtig ist nur die Ausgabe `epson:/dev/uscanner0', die das richtige Backend und den richtigen Gerätenamen anzeigt.

Wenn scanimage -L den Scanner erkannt hat, ist der Scanner eingerichtet und bereit, zu scannen.

Obwohl wir mit scanimage(1) von der Kommandozeile scannen können, ist eine graphische Anwendung zum Scannen besser geeignet. SANE bietet ein einfaches und effizientes Werkzeug: xscanimage (graphics/sane-frontends).

Xsane (graphics/xsane) ist eine weitere beliebte graphische Anwendung. Dieses Frontend besitzt erweiterte Funktionen wie den Scan-Modus (beispielsweise Photo, Fax), eine Farbkorrektur und Batch-Scans. Beide Anwendungen lassen sich als GIMP-Plugin verwenden.

8.7.4. Den Scanner für Benutzerkonten freigeben

Zuvor wurden alle Tätigkeiten mit root-Rechten ausgeführt. Wenn andere Benutzer den Scanner benutzen sollen, müssen sie Lese- und Schreibrechte auf die Gerätedatei des Scanners besitzen. Im Beispiel wird die Datei /dev/ugen0.2 verwendet, die faktisch nur ein Symlink auf die echte Gerätedatei, /dev/usb/0.2.0 genannt, darstellt (ein kurzer Blick auf das /dev-Verzeichnis bestätigt dies). Sowohl der Symlink als auch die Gerätedatei sind jeweils im Besitz der Gruppen wheel und operator. Damit der Benutzer joe auf den Scanner zugreifen kann, muss das Konto in die Gruppe operator aufgenommen werden. Allerdings sollten Sie, aus Sicherheitsgründen, genau überlegen, welche Benutzer Sie zu welcher Gruppe hinzufügen, besonders bei der Gruppe wheel. Eine bessere Lösung ist es, eine spezielle Gruppe für den Zugriff auf USB-Geräte anzulegen und den Scanner für Mitglieder dieser Gruppe zugänglich zu machen.

Beispielsweise kann man eine usb-Gruppe verwenden. Der erste Schritt dazu ist das erstellen der Gruppe mit Hilfe des pw(8)-Kommandos:

# pw groupadd usb

Anschliessend muss der /dev/ugen0.2-Symlink und der Gerätename /dev/usb/0.2.0 für die usb-Gruppe mit den richtigen Schreibrechten (0660 oder 0664) ausgestattet werden, denn standardmässig kann nur der Besitzer dieser Dateien (root) darauf schreiben. All dies kann durch das Hinzufügen der folgenden Zeile in die /etc/devfs.rules-Datei erreicht werden:

[system=5]
add path ugen0.2 mode 0660 group usb
add path usb/0.2.0 mode 0660 group usb

FreeBSD 7.X-Anwender benötigen unter Umständen die folgenden Zeilen mit der korrekten Gerätedatei /dev/uscanner0:

[system=5]
add path uscanner0 mode 660 group usb

In die Datei /etc/rc.conf fügen Sie noch die folgende Zeile ein:

devfs_system_ruleset="system"

Starten Sie anschließend Ihr System neu.

Weitere Informationen finden Sie in devfs(8).

Jetzt braucht man nur noch Benutzer der Gruppe usb hinzufügen, um ihnen Zugriff auf den Scanner zu erlauben:

#pw groupmod usb -m joe

Weitere Details können Sie in der pw(8)-Manualpage nachlesen.

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