Kapitel 16. Verschiedene Fragen

16.1. FreeBSD benutzt viel mehr Swap-Speicher als Linux®. Warum?
16.2. Warum zeigt mir top(1) so wenig freien Speicher an, obwohl nur wenige Programme laufen?
16.3. Warum ändert chmod die Zugriffsrechte auf symbolische Links nicht?
16.4. Kann ich DOS-Programme unter FreeBSD ausführen?
16.5. Was muss ich tun, um die FreeBSD-Dokumentation in meine Muttersprache zu übersetzen?
16.6. Warum kommen alle meine Mails, die ich an @FreeBSD.org schicke, wieder zurück?
16.7. Wo kann ich einen freien FreeBSD-Account bekommen?
16.8. Was ist sup und wie benutze ich es?
16.9. Wie heißt das niedliche rote Kerlchen?
16.10. Kann ich Bilder des BSD Daemon verwenden?
16.11. Woher kann ich Bilder des BSD Daemon bekommen?
16.12. Ich habe in den Mailinglisten eine Abkürzung oder einen Begriff gesehen, den ich nicht kenne. Wo erhalte ich eine Erklärung dazu?
16.13. Warum sollte mich die Farbe des Fahrradschuppens interessieren?

16.1.

FreeBSD benutzt viel mehr Swap-Speicher als Linux®. Warum?

Es sieht nur so aus, als ob FreeBSD mehr Swap benutzt, als Linux®. Tatsächlich ist dies nicht der Fall. In dieser Hinsicht besteht der Hauptunterschied zwischen FreeBSD und Linux® darin, dass FreeBSD vorbeugend vollkommen untätige, unbenutzte Seiten aus dem Hauptspeicher in den Swap-Bereich auslagert, um mehr Hauptspeicher für die aktive Nutzung zur Verfügung zu stellen. Linux® tendiert dazu, nur als letzten Ausweg Seiten in den Swap-Bereich auszulagern. Die spürbar höhere Nutzung des Swap-Speichers wird durch die effizientere Nutzung des Hauptspeichers wieder ausgeglichen.

Beachten Sie, dass FreeBSD in dieser Hinsicht zwar vorbeugend arbeitet, es entscheidet jedoch nicht willkürlich, Seiten auszulagern, wenn das System vollkommen untätig ist. Deshalb werden Sie feststellen, dass nicht alle Seiten Ihres Systems ausgelagert wurden, wenn Sie morgens aufstehen, nachdem das System eine Nacht lang nicht benutzt worden ist.

16.2.

Warum zeigt mir top(1) so wenig freien Speicher an, obwohl nur wenige Programme laufen?

Die Antwort ist ganz einfach: Freier Speicher ist verschwendeter Speicher. Der FreeBSD Kernel verwendet den von den Programmen nicht genutzten Speicher automatisch für den Plattencache. Die in top(1) für Inact, Cache und Buf gemeldeten Werte stehen alle für zwischengespeicherte Daten mit unterschiedlichem Alter. Wenn das System wiederholt auf Daten zugreifen muss, braucht es nicht auf die langsame Platte zuzugreifen, da die Daten noch zwischengespeichert sind. Dadurch erhöht sich die Performance. Ganz generell ist es ein gutes Zeichen, wenn top(1) einen kleinen Wert bei Free anzeigt, solange der Wert nicht extrem klein ist.

Anmerkung des Übersetzers: Mit extrem klein sind hier Werte unterhalb 512 KByte gemeint.

16.3.

Warum ändert chmod die Zugriffsrechte auf symbolische Links nicht?

Für symbolische Links gibt es keine separaten Zugriffsrechte und standardmäßig folgt chmod(1) dem Link, wenn möglich; die Zugriffsrechte für die Datei, auf die der symbolische Link zeigt, werden also verändert. Wenn Sie eine Datei mit dem Namen foo und einen auf diese Datei zeigenden symbolischen Link mit dem Namen bar haben, wird das folgende Kommando niemals einen Fehler melden.

% chmod g-w bar

Trotzdem werden die Zugriffsrechte für bar nicht geändert.

Wenn Sie die Zugriffsrechte in der Dateihierarchie an der Wurzeldatei anstatt der Datei selbst ändern möchten, müssen Sie entweder -H oder -L zusammen mit der Option -R benutzen. Weitere Informationen finden Sie in den Manualpages chmod(1) und symlink(7).

Warnung:

Die Option -R bewirkt ein rekursives chmod(1). Seien Sie vorsichtig, wenn Sie bei chmod(1) Verzeichnisse oder symbolische Links zu Verzeichnissen angeben. Wenn Sie die Zugriffsrechte eines Verzeichnisses ändern möchten, das durch einen symbolischen Link referenziert wird, benutzen Sie chmod(1) ohne irgendwelche Optionen und folgen dem symbolischen Link durch einen abschließenden Schrägstrich (/). Falls z.B. foo ein symbolischer Link zum Verzeichnis bar ist und Sie die Zugriffsrechte von foo (tatsächlich bar) ändern möchten, dann benutzen Sie etwas ähnliches wie:

% chmod 555 foo/

Durch den abschließenden Schrägstrich folgt chmod(1) dem symbolischen Link foo, um die Zugriffsrechte für das Verzeichnis bar zu ändern.

16.4.

Kann ich DOS-Programme unter FreeBSD ausführen?

Ja. Sie können emulators/doscmd verwenden, das über die Ports-Sammlung verfügbar ist.

Falls doscmd nicht ausreicht, können Sie den Port emulators/pcemu verwenden, der einen 8088 und genug BIOS-Funktionen emuliert, um DOS-Textanwendungen laufen zu lassen. Der Port benötigt das X-Window-System.

Sie können auch emulators/dosbox aus der FreeBSD Ports Sammlung ausprobieren. Der Hauptaugenmerk liegt bei dieser Anwendung auf der Emulation alter DOS Spiele, deren Dateien sich im lokalen Dateisystem befinden.

16.5.

Was muss ich tun, um die FreeBSD-Dokumentation in meine Muttersprache zu übersetzen?

Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Webseite des FreeBSD German Documentation Project.

16.6.

Warum kommen alle meine Mails, die ich an @FreeBSD.org schicke, wieder zurück?

Das Mailsystem von FreeBSD.org verwendet einige der strengeren Überprüfungen von Postfix für eingehende Mails. Mails, bei denen es Anzeichen für Konfigurationsprobleme oder Spam gibt, werden nicht akzeptiert. Dies kann aus einem der folgenden Gründe geschehen:

  • Die Mail kommt von einem System oder Netzwerk, dass für Spam-Aktivitäten bekannt ist.

    Die Mailserver von FreeBSD akzeptierten keine Mails von bekannten Spam-Quellen. Wenn Sie eine Firma oder Domain benutzen, die Spam erzeugt oder verteilt, sollten Sie sich einen anderen ISP suchen.

  • Der Mailtext enthält HTML.

    Mail sollte immer im Klartext gesendet werden, Sie sollten ihr Mailprogramm entsprechend einstellen.

  • Das Mailsystem kann die IP-Adresse des einliefernden Systems nicht in einen symbolischen Namen umwandeln.

    Funktionierendes reverse DNS ist eine Vorbedingung, damit ihre Mails angenommen wird. Sorgen Sie dafür, dass der reverse DNS für Ihren Mailserver korrekt konfiguriert wird. Viele Anbieter für Privatkunden geben Ihnen diese Möglichkeit nicht. In diesem Fall sollten Sie Ihre Mails über den Mailserver Ihres Providers versenden.

  • Der Rechnername, der im EHLO/HELO Teil der SMTP Kommunikation übergeben wird, kann nicht zu einer IP-Adresse aufgelöst werden.

    Damit die E-Mail akzeptiert wird, brauchen Sie einen voll qualifizierten Rechnernamen, der im DNS eingetragen ist. Wenn Sie diesen nicht besitzen, benutzen Sie bitte den Mailserver Ihres Providers, um E-Mails zu verschicken.

  • Die Message-ID Ihrer Mail endet in localhost.

    Einige Mail-Clients generieren eine Message-ID, die nicht akzeptiert wird. Sie müssen Ihren Mail-Client so konfigurieren, dass er eine gültige Message-ID generiert. Alternativ können Sie die Message-ID von Ihrem Mailserver umschreiben lassen.

16.7.

Wo kann ich einen freien FreeBSD-Account bekommen?

Das FreeBSD Project bietet zwar keinen freien Zugang zu seinen Servern an; andere Firmen bieten jedoch frei zugängliche UNIX® Systeme. Die Kosten variieren und es kann sein, dass nicht alle Dienste zur Verfügung stehen.

Arbornet, Inc, auch als M-Net bekannt, bietet seit 1983 uneingeschränkten Zugang zu UNIX® Systemen. Zunächst wurde eine Altos-Maschine mit System III benutzt, 1991 erfolgte dann der Wechsel zu BSD/OS. Im Juni 2000 erfolgte ein erneuter Wechsel, diesmal zu FreeBSD. M-Net bietet Zugang mit Telnet und SSH und den Zugang zur gesamten Software von FreeBSD. Allerdings ist der Zugriff auf das Netzwerk auf Mitglieder und Gönner beschränkt, die eine Spende an die nicht-kommerzielle Organisation geleistet haben. M-Net stellt zusätzlich ein Mailbox-System und einen interaktiven Chat zur Verfügung.

16.8.

Was ist sup und wie benutze ich es?

Der Name SUP steht für Software Update Protocol und wurde von der CMU (Carnegie Mellon University) entwickelt, um ihre Entwicklungszweige zu synchronisieren. Es wurde benutzt, um entfernte Sites mit den zentralen Quellcodeentwicklungen des Projekts zu synchronisieren.

SUP ist nicht sehr bandbreitenfreundlich und wurde abgelöst. Die derzeit empfohlene Methode, um Ihren Quellcode auf dem neuesten Stand zu halten ist CVSup.

16.9.

Wie heißt das niedliche rote Kerlchen?

Er ist namenlos, es ist einfach der der BSD Daemon. Wenn Sie ihm unbedingt einen Namen geben wollen, rufen Sie ihn beastie. Beachten Sie aber, dass beastie wie BSD ausgesprochen wird.

Weitere Informationen über den BSD daemon finden Sie auf seiner Homepage.

16.10.

Kann ich Bilder des BSD Daemon verwenden?

Eventuell. Der BSD Daemon unterliegt dem Copyright von Marshall Kirk McKusick. Wenn Sie genaue Informationen über die Einschränkungen bei der Nutzung brauchen, sollten Sie sein Statement on the Use of the BSD Daemon Figure lesen.

Kurz gesagt, können Sie den BSD Daemon benutzen, solange es für einen privaten Zweck ist und die Nutzung geschmackvoll bleibt. Für den kommerziellen Einsatz brauchen Sie die Zustimmung von Kirk McKusick. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite BSD Daemon's home page.

16.11.

Woher kann ich Bilder des BSD Daemon bekommen?

Einige Bilder in den Format xfig und eps sind unter /usr/share/examples/BSD_daemon/ zu finden.

16.12.

Ich habe in den Mailinglisten eine Abkürzung oder einen Begriff gesehen, den ich nicht kenne. Wo erhalte ich eine Erklärung dazu?

Sehen Sie bitte im FreeBSD-Glossar nach.

16.13.

Warum sollte mich die Farbe des Fahrradschuppens interessieren?

Die ganz, ganz kurze Antwort ist: Überhaupt nicht. Die etwas längere Antwort lautet: Nur weil Sie in der Lage sind, einen Fahrradschuppen zu bauen, müssen Sie noch lange nicht andere davon abhalten, nur weil Ihnen die Farbe nicht gefällt. Dies ist natürlich eine Metapher dafür, dass Sie nicht eine Diskussion über jede kleine Änderung beginnen sollen, nur weil Sie das können. Einige Leute behaupten sogar, dass die Anzahl der (nutzlosen) Kommentare über eine Änderung umgekehrt proportional zur Komplexität der Änderung ist.

Die noch längere und vollständigere Antwort ist, dass Poul-Henning Kamp nach einen langen Diskussion über das Thema "Soll sleep(1) Sekundenbruchteile als Parameter akzeptieren?" eine lange Mail mit dem Titel A bike shed (any colour will do) on greener grass... schrieb. Die einschlägigen Teile der Nachricht lauteten:

 

Einige von Euch haben mich gefragt, Was meinst Du mit dem Fahrradschuppen?

Es ist eine lange oder eigentlich eher eine sehr alte und doch sehr kurze Geschichte. C. Northcote Parkinson schrieb in den frühen Sechzigern ein Buch mit dem Namen Parkinson's Law, das viele Einblick in die Beziehungen innerhalb des Managements gibt.

[ein paar Kommentare zum Buch gestrichen]

In dem Beispiel mit dem Fahrradschuppen ist die andere wichtige Komponente ein Kernkraftwerk. Ich glaube, dass zeigt schon, wie alt dieses Buch ist.

Parkinson zeigte, dass man zum Vorstand gehen kann und die Genehmigung für ein mehrere Millionen oder sogar Milliarden Dollar teures Kernkraftwerk bekommt; wenn man aber einen Fahrradschuppen bauen will, wird man in endlose Diskussionen verwickelt.

Laut Parkinson liegt das daran, dass ein Kernkraftwerk so groß, so teuer und so kompliziert ist, dass die Leute es nicht verstehen. Und bevor sie versuchen, es zu verstehen, verlassen Sie sich lieber darauf, dass irgend jemand sicherlich die ganzen Details geprüft hat, bevor das Projekt bis zum Vorstand gekommen ist. Im Buch von Richard P. Feynmann finden sich einige interessante und sehr passende Beispiele aus dem Gebiet von Los Alamos.

Ein Fahrradschuppen ist was anderes. Jeder kann an seinem freien Wochenende einen bauen und hat trotzdem noch genug Zeit für die Sportschau. Daher ist es unwichtig, wie gut man sich vorbereitet und wie sinnvoll der eigene Vorschlag ist. Irgend jemand wird die Möglichkeit nutzen und zeigen, dass er seine Arbeit tut, dass er aufmerksam ist, dass er da ist.

In Dänemark nennen wir dieses Verhalten Seine Fingerabdrücke hinterlassen. Es geht um persönlichen Stolz und Prestige; die Chance, auf irgend etwas zu zeigen und zu sagen zu können: Da! Das habe Ich getan. Politiker leiden sehr stark darunter, aber viele Leute verhalten sich so, wenn sie die Chance haben. Denkt einfach mal an Fußabdrücke in feuchtem Zement.

 
 --Poul-Henning Kamp in freebsd-hackers, 2.10.1999

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