22.3. FreeBSD als Host-Betriebssystem

Übersetzt von Benedict Reuschling und Christoph Sold.

Seit einigen Jahren wurde FreeBSD nicht offiziell von irgendeiner der verfügbaren Virtualisierungslösungen als Host-Betriebssystem unterstützt. Viele Anwender verwenden aber noch ältere VMware-Versionen (z.B. emulators/vmware3), welches die Linux®-Kompatibilitätsschicht nutzt. Kurz nach der Veröffentlichung von FreeBSD 7.2 erschien VirtualBox als Open-Source Edition (OSE) von Sun™ in der Ports-Sammlung als ein direkt auf FreeBSD lauffähiges Programm.

VirtualBox ist ein vollständiges Virtualisierungspaket, das aktiv weiterentwickelt wird und für die meisten Betriebssysteme einschliesslich Windows®, Mac OS®, Linux® und FreeBSD zur Verfügung steht. Es kann sowohl Windows® als auch UNIX®-ähnliche Gastsysteme betreiben. Es ist als Open Source und als proprietäre Edition erhältlich. Die wichtigste Einschränkung der OSE aus Anwendersicht ist die fehlende USB-Unterstützung. Weitere Unterschiede können von der Editions-Seite des VirtualBox-Wikis, das unter http://www.virtualbox.org/wiki/Editions zu finden ist, entnommen werden. Momentan steht nur OSE unter FreeBSD zur Verfügung.

22.3.1. VirtualBox™ installieren

VirtualBox steht als FreeBSD-Port in emulators/virtualbox-ose bereit. Da VirtualBox sehr aktiv weiterentwickelt wird, vergewissern Sie sich, dass Ihre Ports-Sammlung aktuell ist. Benutzen Sie die folgenden Befehle um VirtualBox zu installieren:

# cd /usr/ports/emulators/virtualbox-ose
# make install clean

Eine nützliche Option im Konfigurationsdialog ist die GuestAdditions-Programmsammlung. Diese stellen eine Reihe von nützlichen Eigenschaften in den Gastbetriebssystemen zur Verfügung, wie beispielsweise Mauszeigerintegration (was es ermöglicht, die Maus zwischen dem Host und dem Gast zu teilen ohne eine spezielle Tastenkombination für diesen Wechsel zu drücken), sowie schnelleres Rendern von Videos, besonders in Windows® Gästen. Diese Gastzusätze sind im Devices-Menü zu finden, nachdem die Installation des Gastbetriebssystem abgeschlossen ist.

Ein paar Konfigurationsänderungen sind notwendig, bevor VirtualBox das erste Mal gestartet wird. Der Port installiert ein Kernelmodul in /boot/modules, das in den laufenden Kernel geladen werden muss:

# kldload vboxdrv

Um sicherzustellen, dass das Modul immer nach einem Neustart geladen wird, fügen Sie die folgende Zeile in die Datei /boot/loader.conf ein:

vboxdrv_load="YES"

Um die Kernelmodule für die Unterstützung von Netzwerkbrücken oder Host-Only Netzwerken zu laden, fügen Sie folgendes in /etc/rc.conf ein und starten Sie den Computer neu:

vboxnet_enable="YES"

Die Gruppe vboxusers wird während der Installation von VirtualBox angelegt. Alle Benutzer, die Zugriff auf VirtualBox haben sollen, müssen in diese Gruppe aufgenommen werden. Der pw-Befehl kann benutzt werden, um neue Mitglieder hinzuzufügen:

# pw groupmod vboxusers -m yourusername

Damit Netzwerkbrücken funktionieren, müssen die in der Voreinstellung eingeschränkten Berechtigungen für /dev/vboxnetctl angepasst werden:

# chown root:vboxusers /dev/vboxnetctl
# chmod 0600 /dev/vboxnetctl

Um die Berechtigungen dauerhaft zu speichern, fügen Sie folgende Einträge in /etc/devfs.conf hinzu:

own     vboxnetctl root:vboxusers
perm    vboxnetctl 0600

Um VirtualBox zu starten, wählen Sie entweder den Eintrag Sun VirtualBox aus dem Menü der graphischen Benutzeroberfläche, oder geben Sie den folgenden Befehl in ein Terminal ein:

% VirtualBox

Besuchen Sie die offizielle Webseite von VirtualBox unter http://www.virtualbox.org, um weitere Informationen zur Konfiguration und Verwendung zu erhalten. Da der FreeBSD-Port noch recht neu ist, befindet er sich noch unter ständiger Entwicklung. Um die aktuellen Nachrichten und Anleitungen zur Fehlerbehebung zu erhalten, besuchen Sie die entsprechende Seite im FreeBSD-Wiki unter http://wiki.FreeBSD.org/VirtualBox.

22.3.2. USB Unterstützung für VirtualBox

Anmerkung:

Für die folgenden Schritte wird mindestens VirtualBox™ 4.0.0 vorausgesetzt.

Um auf USB-Geräte lesend und schreibend zuzugreifen, müssen Benutzer Mitglied der Gruppe operator sein:

# pw groupmod operator -m jerry

Fügen Sie dann folgenden Eintrag in /etc/devfs.rules hinzu. Erstellen Sie die Datei, wenn sie nicht bereits existiert:

[system=10]
add path 'usb/*' mode 0660 group operator

Um diese neuen Regeln zu laden, fügen Sie folgenden Eintrag in /etc/rc.conf hinzu:

devfs_system_ruleset="system"

Danach starten Sie devfs neu:

# service devfs restart

USB kann nun im Gastsystem aktiviert werden. Die USB-Geräte sollten nun in den VirtualBox™ Einstellungen sichtbar sein.

22.3.3. Host CD/DVD-Zugriff in VirtualBox

Das Kernelmodul atapicam muss durch die folgenden Einträge in /boot/loader.conf geladen werden:

atapicam_load="YES"

Damit die CD/DVD-Funktionen von VirtualBox™ funktionieren, muss HAL in /etc/rc.conf aktiviert und anschließend gestartet werden:

hald_enable="YES"
# service hald start

Damit die CD/DVD-Funktionen von Benutzern verwendet werden können, benötigen diese Zugriff auf /dev/xpt0, /dev/cdN und /dev/passN. Fügen Sie folgende Einträge in /etc/devfs.conf hinzu:

perm cd0 0600
perm xpt0 0660
perm pass0 0660

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