30.10. Die Uhrzeit mit NTP synchronisieren

Beigetragen von Tom Hukins.

30.10.1. Überblick

Da die interne Uhrzeit eines Computers nie ganz exakt ist, wurde mit NTP (Network Time Protocol) eine Möglichkeit geschaffen, die exakte Uhrzeit zu ermitteln und festzulegen.

Viele Internetdienste sind von einer exakten Uhrzeit abhängig. Ein Webserver könnte beispielsweise die Anforderung erhalten, eine Datei zu versenden, wenn sich diese in einer bestimmten Zeitspanne geändert hat. In einem lokalen Netzwerk ist es unbedingt notwendig, dass Rechner, die Dateien von einem gemeinsamen Dateiserver beziehen, ihre Uhrzeit synchronisieren, damit die Zeitstempel der Dateien konstistent bleiben. Dienste wie cron(8) führen Befehle zu einem bestimmten Zeitpunkt aus. Ist die Uhrzeit nicht korrekt, kann dies zu Problemen führen.

FreeBSD verwendet den ntpd(8)- NTP-Server, um die genaue Uhrzeit von anderen NTP-Servern abzufragen, die eigene Systemzeit zu setzen, oder um diese anderen Rechnern anzubieten.

30.10.2. Einen passenden NTP-Server auswählen

Um die Uhrzeit zu synchronisieren, müssen Sie sich mit einem NTP-Server verbinden. Ihr Netzwerkadministrator oder Ihr Internetprovider haben vielleicht schon einen NTP-Server eingerichtet. Lesen Sie deren Dokumentation, um dies zu überprüfen. Es gibt im Internet eine Liste mit frei zugänglichen NTP-Servern, aus der Sie sich einen in Ihrer Nähe gelegenen Server auswählen können. Beachten Sie aber auf jeden Fall die Nutzungsbedingungen des entsprechenden Servers, und fragen Sie um Erlaubnis, wenn dies nötig ist.

Die Auswahl von mehreren NTP-Servern kann sinnvoll sein, wenn ein Server ausfällt oder falsche Zeiten liefert. ntpd(8) verwendet die Antworten anderer Server, um zuverlässige Server zu bestimmen, die dann bevorzugt abgefragt werden.

30.10.3. NTP unter FreeBSD einrichten

30.10.3.1. NTP aktivieren

Wenn Sie Ihre Uhrzeit nur beim Systemstart synchronisieren wollen, können Sie ntpdate(8) verwenden. Für Desktoprechner, die regelmäßig neu gestartet werden und keine ständige Synchronisation benötigen, ist dies akzeptabel. In allen anderen Fällen sollten Sie jedoch ntpd(8) verwenden.

Die Ausführung von ntpdate(8) während des Systemstarts ist aber auch für Rechner, die ntpd(8) verwenden, sinnvoll. ntpd(8) passt die Systemzeit nur bei größeren Abweichungen an, während ntpdate(8) die Zeit immer synchronisiert, egal wie groß die Differenz zwischen Systemzeit und korrekter Zeit ist.

Um ntpdate(8) beim Systemstart zu aktivieren, fügen Sie den Eintrag ntpdate_enable="YES" in /etc/rc.conf ein. Außerdem müssen Sie alle Server, mit denen Sie sich synchronisieren wollen, sowie alle an ntpdate(8) zu übergebenden Optionen in den ntpdate_flags angeben.

30.10.3.2. NTP einrichten

Die Konfiguration von NTP erfolgt über die Datei /etc/ntp.conf, und wird in der Hilfeseite ntp.conf(5) beschrieben. Dazu ein einfaches Beispiel:

server ntplocal.example.com prefer
server timeserver.example.org
server ntp2a.example.net

driftfile /var/db/ntp.drift

Die Option server legt die zu verwendenden Server fest, wobei jeder Server in einer eigenen Zeile steht. Wenn ein Server mit der Option prefer versehen ist, wie dies hier bei ntplocal.example.com der Fall ist, wird dieser Server bevorzugt verwendet. Eine Antwort von einem bevorzugten Server wird nur dann verworfen, wenn sie signifikant von denen anderer Server abweicht, ansonsten wird sie ohne Abfrage weiterer Server verwendet. Die Option prefer wird gewöhnlich nur für sehr zuverlässige und genaue Server verwendet, die über eine spezielle Hardware zur Zeitüberwachung verfügen.

Die Option driftfile legt fest, in welcher Datei die Abweichungen der Systemuhr protokolliert werden. ntpd(8) verwendet diese Datei, um die Systemzeit automatisch anzupassen, selbst wenn kurzzeitig kein NTP-Server zur Synchronisation verfügbar ist.

Weiterhin legt die Option driftfile fest, wo Informationen über frühere Antworten des von Ihnen verwendeten NTP-Servers gespeichert werden sollen. Diese Datei enthält NTP-interne Informationen, sie sollte daher von anderen Prozessen nicht verändert werden.

30.10.3.3. Den Zugang zu Ihrem NTP-Server beschränken

In der Voreinstellung ist Ihr NTP-Server für alle Rechner im Internet erreichbar. Über die Option restrict in der Datei /etc/ntp.conf können Sie den Zugang zu Ihrem Server beschränken.

Wenn Sie alle Rechner vom Zugriff auf Ihren NTP-Server ausschließen wollen, fügen Sie folgende Zeile in /etc/ntp.conf ein:

restrict default ignore

Anmerkung:

Durch diesen Eintrag verhindern Sie den Zugriff Ihres Servers auf alle auf Ihrem System konfigurierten Server. Müssen Sie Ihren NTP-Server mit einem externen NTP-Server synchronisieren, müssen Sie dies daher dezidiert zulassen. Lesen Sie in diesem Fall die Manualpage ntp.conf(5).

Wenn Sie nur Rechnern Ihres eigenen Netzwerks die Synchronisation mit Ihrem NTP-Server erlauben, gleichzeitig aber verhindern wollen, dass diese den NTP-Server konfigurieren oder als Server für andere Rechner dienen können, fügen Sie folgende Zeile ein:

restrict 192.168.1.0 mask 255.255.255.0 nomodify notrap

Bei 192.168.1.0 handelt es sich um einen Rechner Ihres Netzwerks. 255.255.255.0 ist die Netzmaske Ihres Netzwerks.

/etc/ntp.conf kann verschiedene restrict-Optionen enthalten. Weiteres erfahren Sie im Abschnitt Access Control Support der Hilfeseite ntp.conf(5).

30.10.4. Den NTP-Server starten

Damit der NTP-Server beim Systemstart automatisch gestartet wird, fügen Sie den Eintrag ntpd_enable="YES" in /etc/rc.conf ein. Wenn Sie weitere Argumente an ntpd(8) übergeben wollen, passen Sie die Option ntpd_flags in der Datei /etc/rc.conf entsprechend an.

Um den NTP-Server ohne einen Systemneustart zu starten, rufen Sie ntpd mit den unter ntpd_flags in /etc/rc.conf festgelegten Parametern auf. Hierzu ein Beispiel:

# ntpd -p /var/run/ntpd.pid

30.10.5. ntpd mit einer Einwahlverbindung verwenden

ntpd(8) benötigt keine ständige Internetverbindung. Wenn Sie sich ins Internet einwählen, ist es sinnvoll, zu verhindern, dass NTP-Verkehr eine Verbindung aufbauen oder aufrechterhalten kann. Wenn Sie user-PPP verwenden, können Sie dies in den filter-Direktiven von /etc/ppp/ppp.conf festlegen. Sehen Sie sich dazu das folgende Beispiel ein:

set filter dial 0 deny udp src eq 123
# Prevent NTP traffic from initiating dial out
set filter dial 1 permit 0 0
set filter alive 0 deny udp src eq 123
# Prevent incoming NTP traffic from keeping the connection open
set filter alive 1 deny udp dst eq 123
# Prevent outgoing NTP traffic from keeping the connection open
set filter alive 2 permit 0/0 0/0

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt PACKET FILTERING von ppp(8) sowie in den Beispielen unter /usr/share/examples/ppp/.

Anmerkung:

Einige Internetprovider blockieren Ports mit niedrigen Nummern. In solchen Fällen funktioniert NTP leider nicht, da Antworten eines NTP-Servers Ihren Rechner nicht erreichen werden.

30.10.6. Weitere Informationen

Weiterführende Dokumentation (im HTML-Format) zum NTP-Server finden Sie unter /usr/share/doc/ntp/.

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